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Anna Stainer-Knittel - Die "echte" Geierwally
Vorlage für die Romanfigur, der Wilhelmine von Hillern den Roman die Geierwally widmete, war die junge Maria Anna Rosa Knittel. Sie wurde am 28. Juli 1841 in der Gemeinde Ebligenalp als zweites von 5 Kindern des Ehepaares Joseph Anton und Kreszenz Knittel geboren. Der Vater war ein angesehener Büchsenmacher und stolz darauf, ein vom Landesfürsten verliehenes Familienwappen führen zu dürfen.
Begabung und künstlerische Vorfahren Ihre Begabung als Malerin zeigte sich schon im Kindesalter. Sie karikierte schon mit ihrer Schwester in der Schule ihre Mitmenschen um die Wette. Ihr Talent wurde dann durch den ortsansässigen Lehrer und väterlichen Freund Johann Anton Falger geschult und gefördert. Falger hatte sich als Lithograph einen Namen gemacht und seine Arbeiten wurden selbst von J.W.v.Goethe lobend erwähnt, worauf Falger selbst sehr stolz war. In seiner Zeichenschule in Ebligenalp unterrichtet er hunderte Schüler, doch keiner davon erreichte ähnlichen Ruhm wie Anna. Anna war aber nicht die erste Künstlerin ihrer Familie. Ihr Großonkel Joseph Anton Koch wirkte als "Vater der heroischen Landschaft" in Rom als international anerkannter Künstler. Ihr Onkel Alois Knittel erlernte ebenfalls die Kunst des Malens, wechselte aber später zur Bildhauerei.
Die Adleraushebung Annas Vater war nicht nur begabter Büchsenmacher, sondern auch ein passionierter Jäger und Bergsteiger. Im 19. Jahrhundert wurden die Steinadler noch bejahrt, da sie u.a. auch Lämmer der Bauern als Beute wählten. Und so war es auch gar nicht unüblich Adlernester auszuhemen. Knittel zog die Jungtiere dann in einem Verschlag auf dem Dachboden auf um sie dann an Falkner oder Tiermenagerien zu verkaufen. Es wird sogar berichtet, dass seine Kinder Eichhörnchen oder (Nachbars-!) Katzen jagen mussten um die Jungen Adler zu füttern. Eines Tages geschah ein Unfall bei einer Adleraushebung, bei dem sich das Seil des Burschen in einer Felsspalte verklemmte und er stundenlang am Felsen baumelte, bis er mit herbeigeschafften Glockenseilen aus Elbingenalp aus der Felswand gerettet werden konnte. Von da an fand sich kein mutiger Bursche mehr, der das von Knittel neu entdeckte Adlernest ausheben würde. Da bot sich Anna an und der Vater willigte auch bald ein und schon am nächsten Tag war der Adlerhorst ausgenommen. Diese Abenteuer wiederholte Anna Knittel fünf Jahre später abermals, als sich wieder kein Bursche für diese Aufgabe finden wollte. Dieses zweite Abenteuer dokumentierte Anna, die zu der Zeit schon durch ihre Studien in den Künstlerkreisen in München eingeführt war, auf Wunsch des bayerischen Schriftstellers Steub. Dieser bearbeitete den Text und veröffentlichte ihn unter dem Titel "Die Lechtalerin" und "Das Annele vom Adlerhorst" in Leipzig und Tirol.
Ihr Studium Nach dem Ihr Lehrer erkannte, dass er ihr nichts mehr beibringen konnte, ermöglichte er Anna eine Ausbildung in sog. Vorschulen in München. An ein Studium an der Akademie war nicht zu denken, da in damaliger Zeit dies nur Männern möglich war. So erlernte Anna Semester für Semester bei verschiedenen Künstlern neue Fertigkeiten und sie machte beachtliche Fortschritte. Leider hatte sie jedoch ihren Mäzen Falger einmal schwer enttäuscht, der ihr dann seine weitere finanzielle Unterstützung versagte. Damit war die Studienzeit erstmal unterbrochen. Da der Vater eher zu Falger hielt, war es die Mutter, die Anna noch ein weiteres Semester in München durch den Verkauf von Rindern ermöglichte. Doch danach waren die finanziellen Mittel erschöpft und so kehrte Anna zu Ihrer Familie zurück um dort am Hof wieder mitzuarbeiten und kleinere Auftragsarbeiten als Malerin zu erledigen. Als die Aufträge ausblieben, malte sie "Die Lechthalerin" ein lebensgroßes Selbstbildnis in Tracht. Dieses Bild wurde vom Ferdinandeum in Linz, einem Museum, gekauft und brachte Anna so endlich künstlerische Anerkennung und finanzielle Freiheit. Sie zog nach Insbruck um dort weitere Auftragsarbeiten zu erstellen die ein eigenes Leben in der Stadt, wenn auch nicht im Überfluss, ermöglichten.
Die Liebe und Familie Anna hatte viele Verehrer, da sie ein sehr herzliches Wesen besass und auch sehr attraktiv war. Als sie eine Nachricht aus ihrem Dorf an einen unbekannten Linzer Nachbarn, Gipsformer von Beruf, überbringen sollte, fand sie dort ihre große Liebe. "Den oder keinen", war ihr Gedanke nach dieser kurzen Begegnung. Engelbert Stainer fühlte ebenso und tatsächlich fanden sie sehr schnell zueinander und erhielten zunächst auch den Segen ihres Vaters. Nachdem aber Engelbert gestand, dass eine Kellnerin ein uneheliches Kind von ihm erwarte, änderte sich natürlich die Meinung des Vaters. Die Eltern bearbeiteten Anna drastisch, dass sie von Engelbert ablassen möge und nicht in ihr Unglück stürze. Nur ihr Bruder hatte ein offenes Ohr für ihre Nöte. Dann sorgte der Vater selbst für einen neuen Freier, einen reichen Burschen, der Anna sofort geheiratet hätte. Als sich Anna verweigert will der Vater sie fortjagen, aber sie geht selbst - nun sogar ohne den Segen der Mutter, und kehrt zurück nach Insbruck zu ihrem Engelbert, der mittlerweile die Wohnung für das junge Paar vorbereitete - so weit seine knappen Mittel dies zuließen. Bis zur Hochzeit wohnte sie bei einer Bekannten. Die Hochzeit fand jedoch in Annas Heimatgemeinde statt - um der Familie nah zu sein. Das Verhältnis zur eigenen Familie besserte sich erst nach Jahren merklich. Anna Maria lebte unterdessen in Insbruck mit ihrem geliebten Ehemann und sie hatten zusammen vier Kinder. Im Laufe der Jahre erreichte sie viel Anerkennung und so lebte die Familie in Wohlstand durch die beiden Einkünfte der Eltern.
Weiteres Wirken Die Situation verschlechterte sich aber als die Photographie immer mehr das klassische Portrait ablöste. Es stand schon eine Familienkrise ins Haus, da brachte Engelbert seine Frau auf die Idee, Blumen zu malen. So verzierte sie Geschrir mit Blumenbildern und fertigte Bilder verschiedenster Größe von Blumen aller Art an. Die Blumenbilder und bemalten Artikel fanden reissenden Absatz im Souveniergeschäft von Engelbert Stainer und sicherten den wirtschaftlichen Erfolg der Familie. Im Laufe ihres Lebens hatte sie noch desöfteren Gelegenheit Ihre Bilder in Ausstellungen zu präsentieren und auch gut zu verkaufen. Sie gab die Malerei nie auf und als sie schließlich 12 Jahre nach dem Tod ihres Mannes im Hause ihres Sohnes am 28. Februar 1915 verstarb, war die Farbe auf ihrem zuletzt gemalten Bild noch nicht getrocknet.
Quelle: Helga Reichart, Die Geierwally : Leben und Werk der Lechtaler Malerin Anna Stainer-Knitte
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